Bettina Staude

Warum artgerechtes Futter für Hunde und Katzen so wichtig ist

Das Ess- und Jagdverhalten verschiedener Lebewesen zeigt, dass wir sie in zwei Hauptgruppen unterteilen sollten.

  1. Herbivoren: Das sind Lebewesen, die sich ausschließlich von verschiedensten Pflanzen ernähren, also Pflanzenfresser. Dazu gehören beispielsweise Pferde, Kühe, Hasen, Ziegen und Bienen.
  2. Carnivoren (oder auch Karnivoren): Das sind Lebewesen, die überwiegend tierische Nahrung verzehren, also Fleischfresser. Dazu gehören unter anderem Löwen, Wölfe, Hunde, Katzen, Seemöwen (und auch fleischfressende Pflanzen).

Unsere Hunde und Katzen sind also Fleischfresser – zählen also zu den Carnivoren und benötigen entsprechend artgerechtes Futter.

Wie unterscheiden sich Pflanzenfresser von Fleischfressern?

Pflanzenfresser:

  • Haben keine Eckzähne, sondern haben nur Mahlzähne.
  • Ihre Zähne wachsen ständig nach.
  • Sie haben einen relativ langen Darm (der eines Pferdes ist je nach Rasse und Größe zwischen 25 und 35 Meter lang, der Darm einer Kuh wird sogar zwischen 33 und 63 Meter lang).
  • Sie besitzen kaum Jagdfähigkeiten. Das bedeutet, sie können also im Dunkeln nicht besonders gut Sehen, verfügen nicht über Krallen und ihr Gebiss eignet sich nicht zum Töten.
  • Sie mögen den Geruch von Fleisch nicht und können Fleisch auch nicht verdauen.

Würde man Pflanzenfresser mit Fleisch füttern, würden sie daran sterben.

Fleischfresser:

  • Haben große Fangzähne und keine Mahlzähne.
  • Ihre Zähne wachsen nicht nach.
  • Sie haben einen verhältnismäßig kurzen Darm (bei Hunden wird der Darm durchschnittlich gerade mal bis zum Vierfachen ihrer Körperlänge, bei einer Katze sogar nur bis zum Dreifachen ihrer Körperlänge)
  • Sie haben erstaunliche Jagdfähigkeiten – präzise sehen im Dunklen, Krallen und Gebiss zum Töten, Schnelligkeit und sie können andere Tiere bewusst töten.
  • Sie lieben den Geruch von Fleisch.

Fleisch wird bei Carnivoren schnell verdaut. Bei einer Ernährung auf pflanzlicher Basis können lebensbedrohliche Mangelerscheinungen auftreten.

Wir Menschen sind Allesfresser

Nach der Systematik des Nahrungsgesetzes können wir selbst als biophage Omnivoren eingeordnet werden. Menschen sind Allesfresser und haben im Laufe unserer Entwicklung gelernt, uns mit pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln zu versorgen und zu ernähren.

  • Wir haben, wenn überhaupt, nur noch kleine Fangzähne.
  • Wir haben aber auch Mahlzähne
  • Unsere Zähen wachsen nicht nach
  • Unsere Jagdfähigkeiten sind kaum bis gar nicht mehr vorhanden Fehlende Schnelligkeit, Sehen im Dunkeln und Krallen würden uns das Erwischen von Beute sehr schwer machen.
  • Wir können bewusst töten

Wir haben einen relativ kurzen Darm, können aber pflanzliche und tierische Nahrung verwerten. Deshalb können wir auch nahezu alles an reifem Obst und Gemüse genießen.

Obst und Gemüse für Hunde?

Auch wenn Hunde biologisch zur Ordnung der Carnivoren gehören, sind sie Carni-Omnivoren, also Fleisch-Allesfresser.

Aber nicht jedes Obst ist zum Verzehr durch Hunde geeignet. So enthalten z.B. Weintrauben Oxalsäure und können deshalb zu Nierenversagen führen. Andere Obstsorten dürfen Hunde aber in Maßen essen, wobei die Menge wesentlich ist – denn zu viel davon kann Durchfall verursachen.

Auch beim Gemüse ist darauf zu achten, was der Hund fressen darf. Denn auch Gemüse kann zu Blähungen, Durchfall und auch zu Vergiftungen führen. Auch hier sind also Hunde eingeschränkt. Je nach Gemüsesorte gilt aber meist: bitte vorher gekocht. Ansonsten enthalten z.B. Kartoffeln Solanin und das wird erst durch Kochen abgebaut.

Artgerechtes Futter für Hunde besteht aus rund 80% tierischen Bestandteilen

Eine artgerechte Fütterung für den Hund orientiert sich an der Zusammensetzung seines Beutetiers. Ca. 80% bestehen aus tierischen, also vorwiegend Muskelfleisch, und max. 20% pflanzlichen Komponenten.

Es gibt viele Studien, die sich mit der Ernährung des Hundes befasst haben. Oft widersprechen sich diese allerdings auch. Ein Hund ist ein Fleischfresser. So würde er jagen und sich ernähren. So ist er von Natur aus ausgestattet.

Immer wieder kommt es zu Diskussionen, dass frei lebende Hunde sich auch von Abfällen der Menschen ernähren. Das ist zwar richtig, aber ernährungsphysiologisch fragwürdig. Denn nur weil ein Hund gelernt hat, dass er in der Nähe der Menschen immer etwas findet, was seinen Magen füllt, ist das nicht gleichbedeutend einer guten Ernährung.

Oder noch offensichtlicher: Niemand würde auf die Idee kommen, Pferde mit Wurstbroten zu füttern. Oder doch?

Nahrungsunverträglichkeiten und Allergien können auch Tiere betreffen

Inzwischen gibt es Hunde, die allergisch auf verschiedene tierische Proteine reagieren. Und die Zahl der allergischen Hunde wächst genau so rasant, wie Menschen mit Allergien auf viele Nahrungsmittel reagieren. Hier lohnt es sich also ganz genau hinzuschauen! Es geht nicht nur um die Frage, welche Proteine der Hund zu sich nimmt, sondern auch was die bisherigen Quellen des jeweiligen Proteins waren.

Also, zum Vergleich: Hunde sind noch lange keine Allesfresser, wie wir Menschen. Auch wenn sie bis zu einem gewissen Grad pflanzliche Nahrung verdauen können. Sie sind zwar Carni-Omnivoren, aber von Natur aus Fleischfresser.

Katzen brauchen Fleisch!

Unsere Katzen sind im Gegensatz zu unseren Hunden sogenannte obligate Carnivoren.

Was ist mit obligat gemeint? Das bedeutet, Fleisch zu fressen ist eine biologische Notwendigkeit.

Katzen gewinnen ihre Energie bis zu 52% aus Proteinen, 46% aus Fett und nur 2% aus Kohlenhydraten. Proteinbausteine in Form von Glukose zählen somit als wichtigster Energieträger.

Ihre Fähigkeit, Energie aus Kohlenhydraten zu gewinnen, ist dagegen stark begrenzt. Katzen fehlt dafür ein entscheidendes Enzym – nämlich Amylase. Sie haben deshalb eine niedrige Kohlenhydrattoleranz und können Obst und Gemüse nur sehr schlecht verdauen.

Durch artgerechtes Futter decken Katzen ihren Flüssigkeitsbedarf

Katzen sind definitiv auch als Stubentiger Raubtiere. Sie decken ihren Wasserbedarf über ihre Beute – über fleischige Nahrung mit natürlichem Zellwasser. Sie brauchen viel Muskelfleisch, weniger Innereien, Knochen und nur 2-5% vorverdaute Kohlenhydrate. Wenig überraschender Fakt: Das entspricht in etwa der Bauweise einer Maus. Eine Wildkatze / freilebende Bauernhofkatze jagt 10-12 Mäuse pro Tag.

Eine Katze muss regelmäßig fressen. Idealerweise wird sie 4-5 mal pro Tag gefüttert. Sie reagiert sehr empfindlich auf Konsistenz, Geschmack und Geruch ihres Futters.

Appetitlosigkeit oder Futterverweigerung kann schon nach wenigen Tagen gefährlich werden. Durch die fehlende Zufuhr von Proteinen kommt es zu einer Störung im Fettstoffwechsel der Leber. Es droht eine feline hepatische Lipidose, die sogar lebensbedrohlich werden kann.

Und was ist nun mit dem Tierschutz?

Unsere Haustierhaltung lässt sich mit dem Tierschutzgedanken – nämlich die Situation von landwirtschaftlich genutzten Tieren zu verbessern und gleichzeitig die eigenen Haustiere durch artgerechtes Futter zu versorgen – kaum vereinbaren.

Wir Menschen können selbst entscheiden, wie wir uns gerne ernähren möchten. Doch bei unseren Fellnasen müssen wir auf eine artgerechte Ernährung achten. Dennoch bleibt die Möglichkeit, auf Fleisch aus guter und artgerechter Haltung zurückzugreifen und damit unseren Beitrag zu leisten.

Wenn du Fragen dazu hast, dann sprich mich gerne an.

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