Katzen und Hitze – Warum Sommerhitze für Katzen gefährlicher ist, als viele denken

Wenn Stille trügt

Es ist Hochsommer. Die Sonne scheint, die Temperaturen klettern über 30 Grad und selbst wir Menschen suchen nur noch den Schatten. Während Hunde hecheln, ihre Zunge weit herausstrecken und ihren Besitzern deutlich zeigen, dass ihnen zu warm ist, wirken Katzen oft erstaunlich ruhig. Sie liegen regungslos auf den kühlen Fliesen im Badezimmer, ziehen sich unter das Bett zurück oder schlafen scheinbar den ganzen Tag.

Genau das macht Katzen und Hitze zu einer gefährlichen Kombination.

Viele Katzenhalter denken in diesem Moment: „Sie schläft eben.“ Oder: „Katzen mögen doch Wärme.“

Tatsächlich stammt ja die Hauskatze ursprünglich von der Afrikanischen Wildkatze (Felis lybica) ab und ist an warme Klimazonen angepasst. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Katzen hohe Temperaturen problemlos vertragen. Im Gegenteil: Gerade, weil sie ihr Unwohlsein so lange verbergen, werden sie mit einem Hitzschlag häufig viel zu spät in die Tierarztpraxis gebracht.

Ein Hund macht auf sich aufmerksam. Katzen reagieren hingegen völlig anders. Sie ziehen sich zurück, reduzieren ihre Aktivität und versuchen, ihren Körper möglichst wenig zusätzlich aufzuheizen. Was für uns nach Gelassenheit aussieht, ist in Wirklichkeit ein ausgeklügelter Überlebensmechanismus.

Warum Katzen Hitze so lange verbergen

Katzen gehören zu den Meisterinnen der Tarnung, dieses Verhalten begleitet sie seit Millionen von Jahren. Als kleine Beutegreifer waren sie gleichzeitig auch selbst Beutetiere. Ein krankes oder geschwächtes Tier wäre in der Natur schnell zur leichten Beute geworden. Deshalb haben Katzen gelernt, Schmerzen, Schwäche und körperliches Unwohlsein möglichst lange nicht zu zeigen.

Katzen mit schweren Zahnerkrankungen fressen häufig noch scheinbar normal. Katzen mit Arthrose springen oft noch auf ihre Lieblingsplätze. Und Katzen, denen viel zu heiß ist, liegen einfach nur still da.

Gerade im Sommer kann genau das lebensgefährlich werden. Viele Halter bemerken erst sehr spät, dass ihre Katze bereits Schwierigkeiten hat, ihre Körpertemperatur ausreichend zu regulieren.

Was passiert im Katzenkörper bei großer Hitze?

Die normale Körpertemperatur einer gesunden Katze liegt zwischen etwa 38,0 und 39,2 Grad Celsius. Der Organismus arbeitet ständig daran, diese Temperatur möglichst konstant zu halten, denn bereits geringe Abweichungen beeinflussen zahlreiche Stoffwechselprozesse.

Jede Bewegung erzeugt Wärme. Jeder Muskel, jede Verdauung und jede Stoffwechselreaktion produziert Energie, die zum Teil als Wärme freigesetzt wird. Solange die Umgebung kühler ist als der Körper, kann überschüssige Wärme problemlos abgegeben werden.

Steigen die Außentemperaturen jedoch immer weiter an, wird dieser Wärmeaustausch zunehmend schwieriger.

Anders als Menschen besitzen Katzen nur sehr wenige Schweißdrüsen. Sie befinden sich fast ausschließlich an den Pfotenballen. Wer an besonders heißen Tagen kleine feuchte Pfotenabdrücke auf Fliesen entdeckt, sieht einen der wenigen Wege, über den Katzen überhaupt schwitzen können. Zur eigentlichen Kühlung reicht diese geringe Schweißmenge jedoch bei Weitem nicht aus.

Auch Hecheln gehört bei Katzen nicht zur normalen Temperaturregulation. Zwar können Katzen in extremen Situationen ebenfalls hecheln, doch geschieht dies meist erst dann, wenn die körpereigenen Kühlmechanismen bereits an ihre Grenzen geraten sind. Genau deshalb gilt Hecheln bei Katzen, anders als beim Hund, immer als Warnsignal und sollte umgehend tierärztlich abgeklärt werden.

Warum Katzen bei Hitze fast nur noch schlafen

Viele Menschen wundern sich darüber, dass ihre Katze an heißen Sommertagen kaum noch spielt. Das gewohnte Rennen durch die Wohnung bleibt aus und selbst beliebte Spielzeuge verlieren plötzlich ihren Reiz.

Würde die Katze bei hohen Temperaturen genauso aktiv bleiben wie an kühleren Tagen, müsste ihr Körper deutlich mehr Wärme abführen. Da dies nur eingeschränkt möglich ist, reduziert sie ihre Aktivität ganz bewusst.

Der Stoffwechsel wird auf Energiesparen umgestellt. Die Katze bewegt sich weniger, schläft länger und verlagert ihre aktiven Phasen häufig in die frühen Morgenstunden oder den späten Abend, denn genau dann sind die Temperaturen meist deutlich angenehmer.

Dieses Verhalten beobachten wir auch bei freilebenden Katzen. Selbst erfahrene Jäger verbringen heiße Sommertage überwiegend ruhend im Schatten und werden erst mit Einbruch der Dämmerung wieder aktiv.

Das scheinbar „faule“ Verhalten ist also kein Zeichen von Bequemlichkeit, sondern eine hochentwickelte Anpassung an hohe Umgebungstemperaturen.

Warum Katzen kalte Fliesen so lieben

Wer eine Katze hat, kennt dieses Bild wahrscheinlich: Während das gemütliche Katzenbett unbeachtet bleibt, liegt die Katze ausgestreckt auf den Fliesen im Badezimmer, in der Dusche oder auf dem kühlen Küchenboden.

Fliesen, Stein oder andere harte Böden besitzen eine deutlich niedrigere Oberflächentemperatur als Decken oder Teppiche. Legt sich die Katze darauf, wird Körperwärme direkt an den Boden abgegeben. Physikalisch spricht man von Wärmeleitung.

Besonders Bauch, Brustkorb und Innenseiten der Beine liegen dabei eng auf dem Untergrund auf. Genau dort verlaufen größere Blutgefäße dicht unter der Haut. Das Blut gibt einen Teil seiner Wärme an den kühleren Boden ab und zirkuliert anschließend etwas kühler wieder durch den Körper.

Deshalb wechseln viele Katzen im Sommer ihre Lieblingsplätze. Das kuschelige Körbchen wird gegen das Badezimmer eingetauscht, die Fensterbank gegen den kühlen Kellerboden oder den Schatten unter dem Bett. Aus Sicht der Katze ist das eine der effektivsten Möglichkeiten, überschüssige Körperwärme ohne zusätzlichen Energieaufwand abzugeben.

Doch dieser Mechanismus hat Grenzen. Erwärmt sich auch der Fußboden oder heizt sich die gesamte Wohnung über viele Stunden auf, kann der Körper irgendwann nicht mehr ausreichend Wärme an die Umgebung abgeben.

Genau dann beginnt der Bereich, in dem Hitze für Katzen zu einer ernsthaften Gefahr werden kann.

Warum Wohnungen für Katzen im Sommer zur Hitzefalle werden

Viele Katzenhalter glauben, dass ihre Wohnung auch an heißen Tagen angenehm kühl bleibt, solange die Rollläden geschlossen sind. Tatsächlich helfen heruntergelassene Rollläden zwar dabei, die direkte Sonneneinstrahlung zu reduzieren, sie können jedoch nicht verhindern, dass sich das Gebäude im Laufe des Tages immer weiter aufheizt.

Wände, Dachflächen und Fenster speichern einen großen Teil der Wärme und geben diese über viele Stunden langsam an die Innenräume ab. Besonders in Dachgeschosswohnungen oder schlecht gedämmten Gebäuden steigt die Raumtemperatur oft auch dann weiter an, wenn draußen die Sonne bereits untergegangen ist. Häufig ist es am Abend in der Wohnung sogar wärmer als im Freien.

Für Wohnungskatzen entsteht dadurch ein besonderes Problem: Sie können der Hitze nicht ausweichen. Während ein Freigänger schattige und kühle Plätze aufsuchen kann, bleibt Wohnungskatzen oft nur der begrenzte Raum innerhalb der eigenen vier Wände.

Viele Tiere wechseln deshalb immer wieder ihren Liegeplatz. Morgens ruhen sie noch auf den Fliesen im Badezimmer, später suchen sie den Schatten unter dem Bett oder legen sich in die Badewanne oder das Waschbecken. Manche Katzen verbringen plötzlich viele Stunden in Räumen, die sie sonst kaum nutzen. Dieses Verhalten ist keineswegs ungewöhnlich, sondern ein deutliches Zeichen dafür, dass sie aktiv nach kühleren Bereichen suchen.

Gerade deshalb sollten Katzenhalter aufmerksam beobachten, ob ihre Katze ihr Verhalten an heißen Tagen verändert. Oft zeigt sie damit schon früh, dass ihr die sommerliche Hitze zu schaffen macht.

Was im Körper passiert, wenn die Hitze zunimmt

Solange der Körper einer Katze überschüssige Wärme noch abgeben kann, bleiben die körpereigenen Regulationsmechanismen stabil. Steigen die Außentemperaturen jedoch weiter an oder kann die Katze der Hitze nicht ausweichen, wird dieses empfindliche Gleichgewicht zunehmend gestört.

Zunächst versucht der Organismus, möglichst wenig zusätzliche Wärme zu produzieren. Die Katze bewegt sich kaum noch, schläft viel und sucht konsequent die kühlsten Plätze ihrer Umgebung auf. Gleichzeitig erweitert der Körper die Blutgefäße in der Haut. Dadurch fließt mehr Blut an die Körperoberfläche und kann dort Wärme an die Umgebung abgeben.

Reicht auch das nicht mehr aus, beginnt die Körpertemperatur langsam anzusteigen. Die Organe arbeiten zunehmend unter Belastung, der Flüssigkeitsbedarf steigt und das Blut wird durch den Wasserverlust allmählich zähflüssiger. Das Herz muss nun deutlich mehr leisten, um alle Organe ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.

In diesem Stadium wirkt die Katze häufig noch immer ruhig. Gerade das macht die Situation so gefährlich. Viele liegen regungslos da und wirken lediglich müde oder schläfrig. Tatsächlich befindet sich ihr Körper bereits im Ausnahmezustand.

Steigt die Körpertemperatur auf über 40 °C an, spricht man von einer schweren Überhitzung. Ab etwa 41 °C drohen lebensgefährliche Schäden. Eiweiße beginnen ihre natürliche Struktur zu verlieren, Enzyme funktionieren nicht mehr richtig und lebenswichtige Stoffwechselprozesse geraten außer Kontrolle. Ohne schnelle tierärztliche Hilfe kann daraus ein Hitzschlag entstehen.

Fazit

Hohe Temperaturen stellen den Organismus einer Katze vor große Herausforderungen. Viele Tiere versuchen zunächst, die Hitze durch Ruhe, schattige Rückzugsorte und eine geringere Aktivität auszugleichen. Doch diese natürlichen Schutzmechanismen haben Grenzen. Wird es zu heiß oder kann die Katze der Wärme nicht ausweichen, kann aus einer scheinbar harmlosen Überhitzung schnell ein lebensbedrohlicher Hitzschlag werden.

Wie du einen Hitzschlag rechtzeitig erkennst, welche Katzen besonders gefährdet sind und was im Notfall zu tun ist, erfährst du im zweiten Teil dieses Beitrags.

Du möchtest mehr über deinen Katze wissen? Ich bin ausgebildete Tierpsychologin, lies gerne meine anderen Beiträge über Katzen:

Warum miauen Katzen?

Die Sinne der Katze

Die Wirbelsäule und das Skelett der Katze

Pfoten und Krallen

FORL bei Katzen

Katze ohne Zähne – Leben nach der Zahnsanierung

Schlafen Katzen im Bett – Was bedeutet das?

Alles Liebe

Deine Betty

Foto von Danielle Daniel von Pexels

Gefällt dir dieser Beitrag?

Auf Facebook teilen
Auf Twitter teilen
Auf Linkedin teilen
Gemeinsam mit der Tierärztin Dr. med. vet. Beatrice Dülffer-Schneitzer spreche ich in unserem Podcast „Tierisch vital“ über verschiedene Themen.

Hör gleich mal rein!